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ISO 26000 Selbstanalyse

Inhalt

Zertifizierung versus Bewertung

Inwieweit kann man einem Zertifizierungsdienstleister vertrauen?

Im Unterschied zur Zertifizierung können Bewertungsschritte wie folgt beschrieben werden...

Kann es ein ISO 26000 Assessment oder eine ISO 26000 Bewertung geben?

Die ISO 26000 Selbstanalyse

Eine Schlussbemerkung

Der nächste Schritt

Fremd- oder Selbst-Bewertung von ISO 26000

Guido Gürtler, 2011-12

Zertifizierung versus Bewertung

Vor der Schilderung von Einzelheiten kann es hilfreich sein, die grundlegenden Unterschiede zwischen Zertifizierung und Bewertung aufzuzeigen, soweit sie für die Diskussion des Leitfadens ISO 26000 relevant sind.

Zertifizierung fußt normalerweise auf genormten Anforderungen.
ISO 26000 enthält aber ganz bewusst keine genormten Anforderungen.

Was wären die normalen Zertifizierungsschritte (die aber für ISO 26000 nicht anwendbar sind!)?

1. Die Definition genormter Anforderungen ist das ErgebnisZertifizierungsschritte eines konsensbestimmten Normungsverfahrens. Derart genormte Anforderungen stellen objektive Kriterien dar, objektiv, weil sich die Delegierten aller nationalen ISO-Mitgliedsorganisationen einig waren und die Kriterien dadurch sozusagen weltweite Zustimmung gefunden haben.

2. Der Zertifizierungsdienstleister führt einen Audit durch, indem er den Status-quo der beauftragenden Organisation (bzw. Firma) mit den genormten Anforderungen vergleicht. Die Ergebnisse werden in einem Audit-Bericht festgehalten. Solche Berichte werden üblicherweise nicht veröffentlicht.

3. Wenn der Zertifizierungsdienstleister feststellt, dass die Anforderungen gut erfüllt werden, kann er ein Zertifikat ausstellen. Zertifikate sind nur für eine begrenzte Zeit „gültig“, manche müssen jährlich erneuert werden. Die Kosten für einen ISO 9000 Audit zum Beispiel können mit Leichtigkeit mehrere 1.000 € überschreiten.

Inwieweit kann man einem Zertifizierungsdienstleister vertrauen?

Das IAF (Internationales Akkreditierungsforum) akkreditiert (wörtlich „beglaubwürdigt“) diese Dienstleister, wenn sie die IAF-Kriterien erfüllen. Die Kriterien der Vertrauensebenen sind zum Beispiel bei Wikipedia erläutert, siehe  http://en.wikipedia.org/wiki/Identity_Assurance_Framework#Assurance_Level_Criteria. Das IAF unterscheidet demnach vier (4) Vertrauensebenen, von niedrig bis sehr hoch.

Weil der ISO 26000 in seinem Abschnitt „Anwendungsbereich (scope)“ ausdrücklich feststellt, dass er nicht zertifizierbar ist, würden IAF-akkreditierte Zertifizierungsdienstleister die IAF-Regeln missachten, wenn sie ein ISO 26000 Zertifikat anböten. Allerdings können Zertifizierungsdienstleister ihre Dienste nach akkreditierten und nicht-akkreditierten Bereichen unterscheiden und konsequenterweise ISO-26000-Zertifikate außerhalb ihres akkreditierten Bereichs anbieten. Das wäre aber ein offensichtlicher Missbrauch des ISO 26000.

Im Unterschied zur Zertifizierung können Bewertungsschritte wie folgt beschrieben werden:

BewertungsschritteBewertung (Assessment) muss ebenfalls auf Anforderungen fußen, die allerdings nicht genormt zu sein brauchen, also subjektive Kriterien darstellen. Subjektivität ist deshalb gegeben, weil die Anforderungen auf „privater“ Ebene festgelegt werden. Logischerweise gibt es deshalb zwischen den Anforderungen eines Bewertungsdienst- leisters (der z.B. mit einem Punktesystem arbeitet) und denen eines anderen Dienstleisters (der zum Beispiel ein Prozentsystem anwendet) gravierende Unterschiede. Anstatt Bewertung werden oft auch Begriffe wie Evaluierung oder Test verwendet.

 Zertifizierungsdienstleister, die korrekterweise kein ISO-26000-Zertifikat anbieten, mögen sehr wohl ihre ISO 26000 Bewertungsdienste anbieten. Man sollte sich dabei aber immer bewusst sein, dass die Bewertungskriterien der Anbieter sich unterscheiden und grundsätzlich nicht vergleichbar sind. Eine Internetsuche mit den englischen Begriffen „ISO 26000 Assessment“ führt zu Angeboten wie "Performance ISO 26000 assessment" von SGS, "ISO 26000 assessment service" von Ecocert, “assessment of implementation level of ISO 26000 guidance" von Rina, „ISO 26000 and CSR performance Ladder“ von DNV, und anderen mehr. Diese nicht vergleichbaren Angebote haben eines gemeinsam: Man muss für die Dienste bezahlen, genauso wie für Zertifizierung.

Übrigens: Zertifizierungsdienstleister können von IAF dafür akkreditiert werden, dass sie ihr Zertifizierungsgeschäft ordentlich führen, es gibt aber keine vergleichbare Akkreditierung für Bewertungsdienstleister (assessment bodies).

Abschließend sei noch erwähnt, dass die Bewertungsergebnisse in einem Bewertungsbericht (Assessment Report) festgehalten werden, der üblicherweise ebenfalls nicht veröffentlicht wird.

Kann es ein ISO 26000 Assessment oder eine ISO 26000 Bewertung geben?

Wie gesagt, Bewertung fußt auf Anforderungen und der ISO 26000 enthält bewusst keine Anforderungen.

                                         Logischerweise kann es also kein ISO 26000 Assessment geben!

Es sei daran erinnert, dass ISO 26000 ein internationaler Leitfaden ist, formal als Norm veröffentlicht wurde und Empfehlungen, Vorschläge, Ratschläge und Orientierung bietet. Jeder Anwender entscheidet aus freien Stücken, was er mit diesen Ratschlägen macht. Seinem Entwicklungsauftrag entsprechend ist der ISO 26000 „leicht zu verstehen und leicht anzuwenden“, so dass organisationsexterne Bewertungsdienstleistungen zwar angeboten werden können, es aber keinerlei Verpflichtung gibt, sie zu nutzen. Die ISO selbst hat darauf hingewiesen, wie über die erfolgreiche Anwendung des ISO 26000 berichtet werden kann, siehe
http://www.26k-estimation.com/html/nutzung_des__iso_26000.html#schrittt6.

Um es ganz genau zu sagen: Es kann andere „XYZ-Dokumente“ geben, die für sich in Anspruch nehmen, „auf dem Leitfaden ISO 26000 zu basieren“ und die dessen Empfehlungen und Ratschläge in ihre privaten/subjektiven „XYZ-Anforderungen“ umgesetzt haben, damit eine Bewertung/ein Assessment durchgeführt werden kann. Das Ergebnis ist dann aber ein „XYZ-Assessment“ und kein „ISO 26000 Assessment“.

Die „NORMAPME ISO 26000 Nutzerhinweise für europäische KMU“ sind verfügbar unter http://www.normapme.eu/en/page/45/corporate-social-responsibility  oder http://www.26k-estimation.com/html/sme_user_guide_by_normapme.html#SME-UserGuide .  Sie sagen zu Assessment sehr klar:

„Folglich darf der ISO 26000 in Verträgen oder Regierungsvorschriften nicht in Bezug genommen werden und – zumal er keine Anforderungen enthält – darf er nicht für Prüfungen („assessments“) oder Zertifizierungen verwendet werden. Ein Assessment würde bedingen, dass die Empfehlungen zu den Handlungsfeldern mit Werteskalen versehen werden (z. B. in welchem Maß die Empfehlungen zu einem bestimmten Handlungsfeld praktiziert werden). Die Empfehlungen würden folglich in messbare Anforderungen umgesetzt. Insbesondere KMU sollten sich dieser Möglichkeiten bewusst sein, denn Zertifizierungsgesellschaften könnten einen Audit, ein Assessment oder ein „ISO-26000-Zertifikat“ anbieten oder den Leitfaden in andere Zertifizierungspakete einbeziehen, was ein klarer Missbrauch wäre.
 

Die ISO 26000 Selbstanalyse

Selbstanalyse bedeutet hier, dass Sie selbst prüfen, inwieweit Sie den Empfehlungen des ISO 26000 folgen. Selbstanalyse ist ein völlig normales Verfahren. Jede Organisation kann zu einem ihr geeignet erscheinenden Zeitpunkt den ISO 26000 studieren, um zu entscheiden, bei welchen Handlungsfeldern sie ihre gesellschaftliche Verantwortung ausbauen könnte oder, mit anderen Worten, wo die Organisation ihre Beiträge zur gesellschaftlichen Entwicklung neu definieren oder intensivieren sollte.

Selbstanalyse ist ein Verfahren, das eine Organisation in eigener Verantwortung durchführt. Die Frage ist dann nur noch, wie die Ergebnisse dokumentiert und kommuniziert werden können. Das geeignete Mittel dazu ist das so genannte
26k-Handlungsfelder-Werkzeug“, siehe die Kurzbeschreibung unter http://www.26k-estimation.com/html/the_26k-issue-tool.html#26k-issue-tool und das Werkzeug selbst, das hier heruntergeladen werden kann.

Es ist kostenfrei einsetzbar, wenn es nicht kommerziell verwendet wird. Zu seiner Anwendung sind keine Dienstleistungen anderer wie Audits oder Zertifizierungen, Beratungen, Assessment oder Training notwendig. Auf der genannten Website ist zu lesen, dass IFAN, die Internationale Föderation der Normenanwender, den Einsatz dieses Werkzeugs befürwortet.

 Das 26k-Handlungsfelder-Werkzeug listet die Handlungsfelder auf und stellt zu jedem sechs Fragen. Diese mit den Antworten vervollständigte Excel-Tabelle ist ein ausgezeichnetes Mittel, Ihre Überlegungen und Entscheidungen je Handlungsfeld darzulegen.Logo Wir nutzen ISO 26000 rev 2

Sie  können auch ganz einfach auf Ihrem Briefbogen oder an anderer geeigneter Stelle die Bemerkung anbringen
                                        „Wir nutzen ISO 26000“,

denn Sie haben mit dem
26k-Handlungsfelder-Werkzeug ermittelt, welche Empfehlungen für Ihre Organisation relevant sind und welche Aktivität Sie dazu im Einzelfall entfalten können.

Oder sie bilden einfach das hier angebotene Logo auf Ihrem Briefbogen und anderen geeigneten Unterlagen ab. Das Logo kann im JPG-Format heruntergeladen werden, damit Sie es entsprechend verwenden können. Seine Nutzung steht jedem frei.

Eine Schlussbemerkung:
Sie als Unternehmer oder Manager einer Organisation haben die volle Verantwortung und Haftung für alles, was sie tun.

                              Ein Zertifikat oder ein Assessment, ausgestellt von einer anderen Organisation,
                                          wird Sie in einer rechtlichen Auseinandersetzung nicht entlasten!

Nur die Eigenverantwortung zählt und es ist gleichgültig, ob dabei von Selbstanalyse, Selbstbewertung, Self-Assessment, Selbst-Evaluierung  oder Selbst-Zertifizierung gesprochen wird. Entscheidend ist das “Selbst-“, denn es dokumentiert, dass Sie zu Ihrer Verantwortung stehen.
Und: Wer kennt eigentlich die Einzelheiten ihrer Organisation und die Bedürfnisse der sie umgebenden Gesellschaft besser als Sie selbst?

Der nächste Schritt?
                                         
Wenden Sie das 26k-Handlungsfelder-Werkzeug einfach einmal an!
                Praktizieren Sie das gleiche Vorgehen mit Ihren Kunden, Zulieferern und anderen Partnern.
                                                Lehnen Sie aufwändige andere Dienstleistungsangebote ab.

 

 

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