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Standards im Umfeld von ISO 26000

Wie wird die Welt von SR-Standards aussehen, wenn ISO 26000 zur Anwendung kommen wird,
d.h. ab 2010 („SR“ steht für Social Responsibility)?

Eine Suche bei Google mit den Begriffen “social responsibility standards” ergibt über 7,4 Millionen Treffer; das schließt SR-Standards und alle dazu gemachten Bemerkungen etc. ein. Es wäre sicher ein vergeblicher Versuch, sie alle auszuwerten, aber es zeigt, in was für einer Breite das Thema bereits behandelt wird.

Bezugsnehmend auf die Einschätzung der möglichen Nutzerstruktur ( siehe diesen Link) kann in schlichter Sachlichkeit folgendes festgestellt werden:

  • Größere Organisationen (1% der Nutzer) haben im Sinne einer Selbstverpflichtung ihren Verhaltenskodex veröffentlicht und praktizieren ihn organisationsweit, d.h. ggf. auch weltweit. Sie werden genau beob-
    achtet, z.B. von der Presse, und global, und ein SR-relevantes Fehlverhalten an einer Stelle riskiert die Beschädigung des Ansehens der ganzen Organisation.
     
  • Kleine und mittlere Organisationen (bis zu 200 Beschäftigte, über 90% der Nutzer): die überwiegende Mehrheit handelt in lokalem Rahmen und unterliegen dauerhafter Beobachtung seitens der örtlichen Gemeinschaft (Bevölkerung, Behörden, Lokalpresse etc.). Bei SR-relevantem Fehlverhalten würden sie auf der Stelle ihr Ansehen beschädigen und Geschäfte verlieren oder gar aufhören zu bestehen
     
  • Verbände: kleine und mittlere Organisationen sind meist Mitglied in nationalen, regionalen oder internationalen Wirtschaftsverbänden. Diese Verbände haben jeweils ihren eigenen Verhaltenskodex (oder entwickeln ihn) und rufen ihre Mitglieder auf, die Einhaltung des Kodex öffentlich zu erklären,
    z.B. auf der Website des Verbandes.

Beispiel 1: eines der vielen Beispiele ist der Deutsche Verband BME “Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V.” (http://www.bme.de/). Sein Verhaltenskodex umfasst 8 Seiten (ISO 26000 CD1 hat über 96), ist veröffentlicht unter http://www.bme.de/fileadmin/pdf/Pressemeldungen/2008_11_10_BME_VerhaltensrichtlinieCoC.pdf ) und behandelt folgende Aktionspunkte:

  • Korruption, Kartellrecht, Zwangs- und Kinderarbeit (2,5 Seiten)
  • Menschenrechte, Diskriminierung, Gesundheitsschutz, Faire Arbeitsbedingungen, Umweltschutz und Geschäftsgeheimnisse (1 Seite)
  • Lieferanten (ein Absatz mit 6 Zeilen)
  • Einhaltung des Kodex
  • Anhang: der UN Global Compact.

Er ist leicht zu lesen und gut verständlich; er nimmt UN- und ILO-Dokumente nach Bedarf in Bezug.

Beispiele 2: ein weiteres Beispiel ist CECED, der Europäische Verband der Hausgerätehersteller. Der CECED Verhaltenscodex von 2005, siehe  http://www.ceced.eudata.be/ICECED/easnet.dll/GetDoc?APPL=1&DAT_IM=033162 ist ein 8-Seiten Dokument mit der Beschreibung der notwendigen Aktionspunkte und enthält in seinem Anhang eine Erklärung zur Einhaltung des CECED Verhaltenskodex (“Declaration Regarding Compliance with the CECED Code of Conduct”) und das Musterformular für einen Fortschrittsbericht (“Progress Report”).

 

Beispiel 3:
Der ZVEI, Zentralverband der Elektroindustrie Deutschlands, hat seinen Code of Conduct for Corporate Social Responsibility veröffentlicht. Es ist ein Dokument von nur 5 (fünf) Seiten, behandelt alle „relevanten Handlungspunkte” und endet mit dem Abschnitt „Umsetzung und Durchsetzung“, wo auch die Unterzeichnung des Codes vorgesehen ist, wenn man den darin genannten Aussagen in verbindlicher Selbstverpflichtung folgen will. Der Link ist http://www.zvei.org/index.php?id=4770  (2009-08-09).
Der Code hat folgende Abschnitte:
1. Grundverständnis über gesellschaftlich verantwortliche Unternehmensführung
2. Geltungsbereich
3. Eckpunkte gesellschaftlich verantwortlicher Unternehmensführung
4. Umsetzung und Durchsetzung.
Zum Herunterladen des Dokumentes gehen sie bitte zu o.g. Link oder zu “good examples”.

Diese  Beispiele
stehen für viele – und es werden weitere kommen. Dass zeigt ein bereits bestehende Bewusstsein in Sachen notwendigen sozialverantwortlichen Handelns und die Fähigkeit von Unternehmen und Verbänden, sich selbst zu organisieren, unabhängig von Standards und Leitfäden, die im öffentlichen Konsens verabschiedet wurden.

Diese Entwicklung wird sich fortsetzen, getrieben von entsprechenden Eigeninitiativen.

 

Was sind die möglichen Konsequenzen für ISO 26000?

Dokumentumfang
Es besteht der grundsätzliche Eindruck, dass die Mehrheit der möglichen ISO-26000-Nutzer ein kurzes
ISO-Dokument bevorzugen würde, dem sie die Vorschläge/Anleitungen entnehmen können, die in ihrem speziellen Fall anwendbar sind. Die einfache Inbezugnahme anderer Dokumente, Verhaltenskodizes oder internationaler Konventionen etc. wird bevorzugt, weil dadurch ein Dokument kürzer wird und die Wiederholung von Aussagen vermieden werden.

Allgemeine oder Branchenorientierung
Normalerweise sind die Verhaltenskodizes
branchenspezifisch, weshalb man sich leichter auf sie verständigen kann – möglicherweise deshalb sind sie auch leichter anwendbar als ein internationaler Standard ISO 26000.

Im Vergleich zu den genannten Beispielen ist ISO 26000 mit einer schwierigeren Aufgabe konfrontiert, denn diese Beratungsnorm soll alle SR-relevanten Aktionspunkte enthalten und in allen Organisationen anwendbar sein, egal um welche Art, Größe oder lokale Ansiedlung es sich handelt (siehe den Projektvorschlag (NWIP)). Folglich muss ISO 26000 alle möglichen Aktionspunkte beschreiben, und dies in einer Art, die für alle Menschen in allen Ländern verständlich ist.
Dies ist ein sehr hoch gestecktes Ziel, und geht davon aus, dass die Nutzer erst einmal die Aktionspunkte herausfiltern, die für ihren individuellen Fall anwendbar sind; z.B. nehmen die Vorschläge oder Anleitungen zur Beachtung der Menschenrechte in ISO 26000 einen großen Umfang ein, aber diese Vorschläge haben kaum eine Bedeutung in Ländern, in denen die Menschenrechte gesetzlich geregelt sind.

Direkte Anwendbarkeit
Mit anderen Worten: ISO 26000, bedingt durch die selbst auferlegte Allumfassendheit, kann nicht so direkt anwendbar sein wie die Verhaltenskodizes. Außer der Beratung in
7.3.3 Establishing priorities for addressing core subjects and issues bleibt die Identifikation der fallspezifischen Aktionspunkte  dem Nutzer überlassen.

Es scheint daher eine Frage wert zu sein, ob die „direkte Anwendbarkeit“ einer „Beratungsnorm“ überhaupt erreicht werden kann, oder ob es für eine Beratungsnorm kennzeichnend ist, dass sie Orientierung und Ratschläge bietet, wie man die fallspezifischen Aktionspunkte auswählt. Wie auch immer, dies sollte im Abschnitt „Aufgabenstellung“ in der ISO 26000 eindeutig ausgesagt sein.
 

Zusammengefasst:
Die ISO 26000 Beratungsnorm wird auf vorhandene bereits praktizierte Verhaltenskodizes und andere Standards treffen und mit ihnen gewissermaßen in Wettbewerb treten. Wettbewerbskriterien werden unter anderem sein: die verwendeten Begriffe, ein ermunternder Ton und die Benutzerfreundlichkeit (leicht zu lesen und zu
verstehen), Umfang und Inhalt sowie die Anleitung, wie man die fallspezifischen Aktionspunkte identifiziert.

 

 

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