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Zertifizierung? Nein!

Inhalt:

Prüfzeichen und Zertifikate
Die Schlankheits-Schaukel (oder: Wieviel Verwaltungsaufwand.....)
BWRMedia warnt korrekterweise vor ISO 26000 Zertifizierungen
ISO 26001, a management standard on social responsibility?

Prüfzeichen
Technische Produkte können gegen standardisierte Testverfahren getestet werden. Erfolgreiche Tests führen zu Testberichten und Prüfzeichen. Gut bekannte Beispiele sind die Prüfzeichen für elektrische Sicherheit. Getestete Produkte ändern sich im Zeitablauf nicht und Anwender können sich auf das Prüfzeichen verlassen.

Zertifikate
„Zertifikate“ sind etwas anderes! Sie sind das Ergebnis der Prüfung eines Verfahrens, eines organisatorischen
 Ablaufes. Solche Prüfungen werden „Audits“ genannt“. In Audits können organisatorische Abläufe
zeitpunktbezogen in Augenschein genommen werden. Aber solche Abläufe ändern sich mit der Zeit. Deshalb sind Zertifikate nur für eine festgelegte Zeitspanne gültig. Am Ende der Zeitspanne müssen die Abläufe re-auditiert und re-zertifiziert werden. Audits und Zertifikate sind Dienstleistungen, für die man bezahlen muss.
Besonders die Wiederholungsaudits und –zertifikate haben zu einer blühenden “Zertifizierungsindustrie” geführt .
Achtung, Haftungsausschluss:
in aller Regel haben die Zertifizierungsorganisationen in ihren Geschäftsbedingungen jegliche Haftung ausgeschlossen, wenn aufgrund eines fehlerhaften Zertifikates ein Schaden entstehen sollte.

Da SR von seiner organisations-individuellen Dynamik lebt, siehe SR-Dynamik, hat ISO gut daran getan, auf seiner Website
http://isotc.iso.org/livelink/livelink/fetch/2000/2122/830949/3934883/3935096/home.html?nodeid=4451259&vernum=0  deutlich zum Ausdruck zu bringen:
„The guidance standard will be published in 2010 as ISO 26000 and be voluntary to use. It will not include requirements and will thus not be a certification standard.“

oder auf Deutsch:
“Dieser Leitfaden wird 2010 als ISO 26000 veröffentlicht und ihre Anwendung ist freiwillig. Sie wird keine Anforderungen enthalten und folglich kein Zertifizierungsstandard sein.“

Der Abschnitt 1 (Anwendungsbereich) der ISO 26000 selbst macht ebenfalls sehr deutlich, dass eine Zertifizierung ausgeschlossen ist.

Die Zertifizierungsindustrie mag aber sehr wohl, trotz dieser klaren Aussagen, ein “ISO 26000 Zertifikat” anbieten: das wäre aber im Widerspruch zum ethisch korrekten Verhalten (wie es in der ISO 26000 selbst definiert ist als 2.6 ethical behaviour; behaviour that is in accordance with accepted principles of right or good conduct in the context of a particular situation, and consistent with international norms of behaviour.”) und sollte deshalb entweder ignoriert oder mit dem Verweis auf o.g. Website der ISO beantwortet werden, und auch mit Hinweis auf den eben genannten Anwendungsbereich der ISO 26000, der Zertifizierung ausdrücklich ausschließt.

Wenn also ISO 26000 selbst nicht für Zertifizierung gut ist, was werden die Zertifizierungsorganisationen machen, um dennoch mit SR-Zertifikaten Geld zu verdienen? Zwei Möglichkeiten werden (im November 2008) bereits offensichtlich und andere mögen hinzu kommen:

  • SR-Anforderungsstandards
    Prüfhäuser und Zertifizierungsorganisationen entwickeln ihre eigenen privaten SR-Anforderungsnormen, mit oder ohne Bezugnahme auf ISO 26000, und bieten dazu ihre Zertifikate an. Mehrere ISO-Mitgliedsorganisationen werden an diesem Geschäft teilhaben wollen, besonders diejenigen, die schon einen größeren Teil ihrer Einnahmen mit Zertifikaten erwirtschaften (bei einigen machen die Zertifikatseinnahmen über 50% der Gesamteinnahmen aus).
    Empfehlung:
    diese Angebote sollten abgelehnt werden, weil sie der SR-Dynamik in keiner Weise gerecht werden können.
     
  • Sozial verantwortliche Produkte
    Eine andere Entwicklung sind Angebote zur Auditierung und Zertifizierung von sozial verantwortlichen Produkten. Soziale Verantwortung zeigt sich in Form von Einstellungen, von Verhaltensweisen, als Summe von Handlungen usw., alle von Menschen ausgeübt, nicht von Produkten. Deshalb liegt die Frage auf der Hand: kann ein Produkt sozialverantwortlich sein? Sicher nicht. Somit befassen sich diese Angebote de-facto doch mit dem Herstellungsprozess des Produktes und letztendlich mit dem Sozialverhalten des Unternehmens (Gesundheit am Arbeitsplatz, Beachtung der Menschenrechte, angemessene Löhne usw.).
    Empfehlung:
    auch dieser Ansatz berücksichtigt die SR-inhärente Dynamik nicht und folglich können zugehörige Audits und Zertifikate keinen Mehrwert erzeugen, schon gar nicht bei Produkten mit Prüfzeichen.

     

Mit dem Erreichen der Phasen DIS und FDIS (2009 und 2010) finden sich zwei sher wichtige Aussagen im DIS-Entwurfsdokument (N172) selbst:

  • Im Kapitel „Aufgabenstellung“ (Scope) wurde die einschlägige Formulierung weiter verschärft:

    Diese Internationalen Norm ist keine Managementsystemnorm. Sie ist weder für Zertifizierungszwecke noch für die gesetzliche oder vertragliche Anwendung vorgesehen oder geeignet. Es wäre eine Fehlinterpretation der Absicht und des Zwecks dieser Internationalen Norm, Zertifizierungen gemäß ISO 26000 anzubieten bzw. zu behaupten, gemäß ISO 26000 zertifiziert zu sein.“
     
  • Eine weitere wichtige Aussage steht im Abschnitt „Fair operating practices“ (nach eigener Übersetzung):

    „6.6.1.1 Organisationen und faire Praktiken
    Faire Praktiken betreffen das ethische Verhalten einer Organisation in ihren Tätigkeiten und Beziehungen zu anderen Organisationen und Einzelpersonen. Dies umfasst Beziehungen zwischen Organisationen und Behörden gleichermaßen wie zwischen Organisationen und ihren Partnern, Lieferanten, Unterauftragnehmern und Wettbewerbern sowie Verbänden, in denen sie Mitglied sind.“

    ((Originaltext: 6.6.1.1 Organizations and fair operating practices
  • Fair operating practices concern ethical conduct in an organization’s dealings with other organizations and individuals. These include relationships between organizations and government agencies, as well as between organizations and their partners, suppliers, contractors and competitors, and the associations of which they are members))

Zertifizierer sind “Organisationen”, Unternehmen sind „Organisationen“. Die Aufgabenstellung sagt, dass ISO 26000 nicht für Zertifizierung geeignet ist.
Also: Wer ein ISO 26000 Zertifikat anbietet, handelt weder ethisch, noch  gemäß der Anleitung der ISO 26000 selbst.

Die “Schlankheits-Schaukel”
oder: Wird ISO 26000 den (Über-)Verwaltungsaufwand oder substantielle Beiträge zur gesellschaftlichen Verantwortung steigern?

Schlankheitsschaukel

Für verantwortliche Unternehmer nichts Neues:

  • je kleiner eine Organisation, desto weniger Verwaltungsaufwand kann sie sich leisten
  • je größer eine Organisation, desto größer die Versuchung glauben, sie könnten sich eine (Über-)Verwaltung leisten.

Jede Art von Zertifizierung schließt einen Verwaltungsaufwand, der sich im Falle von ISO 26000 nicht auszahlt. Dies mag eine der Überlegungen der Task Group2 Communications innerhalb der ISO Arbeitsgruppe ISO/TMB/WG SR gewesen sein, als sie einen Text bereitstellte, wie die erfolgreiche Anwendung von ISO 26000 kommuniziert werden kann, ohne dass externe Dienstleister wie Berater oder Zertifizierer engagiert zu werden brauchen.

Zur Anwendung von ISO 26000 gibt's es weitere Einzelheiten unter http://www.26k-estimation.com/html/anwendung_von_iso_26000.html

BWRMedia warnt korrekterweise von ISO 26000 Zertifizierungen, Juni 2011. Nachzulesen unter http://www.bwr-media.de/themen/produktion-technik/qualitaetsmanagement/07245_vorsicht--warnung-vor-zertifizierung-nach-iso-26000-.php  oder auch hier herunterzuladen.

 

ISO 26001, a management standard on social responsibility?
Perla Puterman hat diesen exzellenten Artikel geschrieben.

 

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